Rhetorik

Hinter dem Begriff der Rhetorik verbirgt sich so viel wie "sprachlicher Ausdruck". Allerdings ist dies eher nicht im Sinne einer formalen Richtigkeit zu verstehen, sondern vor dem Hintergrund der Absicht eine Aussage. Was beabsichtigt der Sprechende oder Schreibende mitzuteilen und wie will er dies transportieren? Welches Ziel verfolgt er damit?

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Gerade was die Frage der Zielsetzung anbelangt, geht es meist um ungleich mehr, als darum, sich verständlich zu machen. So versteht es ein rhetorisch talentierter Schreiber oder Redner, den Leser oder Zuhörer zu überzeugen. Diese Art des verbalen Überzeugens kann vor dem Hintergrund unterschiedlichster Rahmenbedingungen zweckdienlich sein. So wird ein Geschichtenerzähler bzw. ein Romanautor durch rhetorische Mittel versuchen, eine gewisse Stimmung zu erzeugen, die der erzählten Geschichte dienlich ist. Gleichermaßen kann Rhetorik aber auch bei durch und durch sachlichen Hintergründen zum Einsatz kommen. Bei einer Podiumsdiskussion beispielsweise oder bei einer Gerichtsverhandlung wird man mit dem bloßen Runterbeten von sachlichen Argumenten allein kein Blumentopf gewinnen. Erst wenn das Gesagte bzw. das Vorgetragene rhetorisch geschickt eingekleidet daherkommt, können enthaltene Argumente richtig fruchten.

Wichtig ist es, in diesem Zusammenhang zu verstehen, dass es sich bei der Rhetorik nicht um bloße Schaumschlägerei sondern um einen konstruktiven Aufbau des Gesagten handelt. Insofern bezeichnet Rhetorik das "Wortgewand" des Kommunizierten und keineswegs "nur" ein charismatisches Accessoire. Gleichwohl eine geschickte Rhetorik im mündlichen Dialog durchaus dem eigenen charismatischen Auftreten zuträglich sein kann. Jedoch kommt sie auch gleichermaßen im Falle des geschriebenen Worts zum Einsatz. Und dabei spielt die natürliche Ausstrahlung des Autors naturgemäß überhaupt keine Rolle.

Rhetorisches Talent ist insofern sicherlich für jeden von Vorteil. Man kann überzeugender auftreten und sehr viel besser argumentieren. Wichtig ist es, zu begreifen, dass sich Rhetorik nicht nur auf eine entsprechende Wortwahl bezieht. Zwar bedingt eine geschickte Rhetorik auch, dass man sich gewählter ausdrückt. Allerdings bezeichnet Rhetorik auch das Vermögen, Argumente und Aussagen zweckdienlich in den Kontext einzubinden. Wer eine stimmungsvolle Geschichte schreiben oder in einer Diskussion geschickt argumentieren will, der erreicht dies nicht, indem er einzig und allein unalltägliche Worte wählt. Es ist auch eine Frage des Timings und des Zusammenhangs, ob das so Ausgedrückte zweckdienlich und stimmig rüberkommt. Insofern ist Rhetorik also als sprachliche Herangehensweise zu verstehen, die den Sprecher bzw. Schreiber dazu befähigen soll, mit sprachlichen Mitteln sein kommunikatives Ziel zu erreichen. Dies kann natürlich höchst unterschiedlich sein. Mal geht es darum überzeugend zu klingen – allerdings kann auch genau das Gegenteil der Fall sein. Z. B. bei der schriftstellerischen Darstellung eines offensichtlich oder augenscheinlich lügenden Charakters.